Ziele

Die Einflussfaktoren auf das Entstehen und die Entwicklung von Krankheiten verstehen und zu neuen Ansätzen in der Vorsorge und der Gesundheitsversorgung beitragen.

Motivation

Die Prävalenz von verbreiteten chronischen Krankheiten steigt langsam aber stetig an, sowohl aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung, als auch aufgrund der besseren Diagnosemethoden. Doch erfolgt die Diagnose häufig erst nach Beginn der Erkrankung, zu einem Zeitpunkt an dem die Präventivmedizin nur mehr geringe Erfolgsaussichten hat. Für viele Krankheiten existieren noch keine wirksame Vorsorgemaßnahmen.

Die Ursache für viele Krankheiten wie Diabetes, viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Störungen sind bis heute unbekannt. Diese Krankheiten haben komplexe Entstehungsmuster und verschiedene Risikofaktoren, wie beispielweise der Lebensstil, Umweltfaktoren, die genetische Ausstattung und die Beziehungen zwischen diesen Faktoren, spielen bei ihrer Entstehung eine Rolle.

Langzeitstudien sind ein wirksames Instrument für die biomedizinische Forschung: Bei diesen Studien wird der Gesundheitszustand einer großen Anzahl von Personen über längere Zeit (mittels Folge-Untersuchungen) verfolgt und dabei werden klinische Parameter, die individuelle Krankheitsgeschichte, Informationen zu Lebensstil (Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität, Rauchen u.a.m.) erhoben.
Durch diese Informationen ist es möglich herauszufinden bis zu welchem Grad einige dieser Risikofaktoren – alleine oder im Zusammenspiel mit unserer genetischen Ausstattung – als Ursache für einige dieser Erkrankungen, für die Schwere der Erkrankung, aber auch als Schutzfaktor vor einer Erkrankung eine Rolle spielen.

Grafik Umweltfaktoren und Genetische Faktoren

Ziele

Das wissenschaftliche Ziel der Studie ist es herauszufinden, welche Umwelteinflüsse und welche genetischen Faktoren für in Südtirol verbreitete Erkrankungen verantwortlich sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Herzkreislauferkrankungen, neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, Stoffwechselstörungen sowie auf Krebserkrankungen.

Zu den Umweltfaktoren zählen beispielsweise Luftverschmutzung und Lebensgewohnheiten wie etwa Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen und körperliche Bewegung. Genetische Faktoren umfassen Veränderungen von Genen. Sowohl Umwelt- als auch genetische Faktoren können Risikofaktoren sein, also Erkrankungen verstärken; Sie können aber auch Schutzfaktoren sein, die Erkrankungen entgegenwirken. Die genetische Veranlagung ist außerdem dafür verantwortlich, dass manche Menschen empfindlicher als andere auf bestimmte Umwelteinflüsse reagieren.

Für den Bereich der Herzkreislauf-Erkrankungen liegt eine besondere Aufmerksamkeit auf Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und Herzinfarkt. Es werden Informationen zu vielen Risikofaktoren gesammelt, die mit Kreislaufproblemen in Zusammenhang stehen. Dazu zählen Bluthochdruck, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte), Diabetes, Rauchen.

Bezüglich der neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen werden die folgenden Bereiche betrachtet: Bewegungsstörungen (insbesondere die Parkinson’sche Krankheit, pathologischer Tremor, das Syndrom der unruhigen Beine), Schlafstörungen und Schmerz (einschließlich Kopfschmerzen und Schmerzempfindlichkeit). Außerdem werden Informationen zu verschiedenen neurologischen Erkrankungen wie zur Gehirndurchblutung/Schlaganfall, Multiple Sklerose und Epilepsie, gesammelt. Seit Herbst 2015 untersuchen wir zusätzlich verstärkt psychische Störungen (insbesondere affektive Störungen wie Depression oder Bipolare Störung).

Im Bereich der Stoffwechselstörungen gilt das besondere Interesse hormonellen Erkrankungen, die die oben genannten Bereiche direkt oder indirekt beeinflussen können. Insbesondere werden Informationen zu Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Erkrankungen der Niere oder der Nierenfunktion, Ernährungs- und anderen Lebensgewohnheiten gesammelt.

Alle fünf Jahre werden im Rahmen der CHRIS-Studie Informationen über den Gesundheitszustand der teilnehmenden Südtiroler eingeholt. Darunter fallen klinische Daten wie Blut- und Urinwerte, Krankengeschichte, Lebensstil, usw. Mithilfe dieser Informationen können sich die Forscher von Eurac Research und des Sanitätsbetriebs ein genaueres Bild über den aktuellen Gesundheitszustand der Südtiroler verschaffen. Ein langfristiges Ziel der Studie ist es, das gesundheitliche Wohlbefinden der Südtiroler Bevölkerung fortlaufend zu verbessern.