Eine heterogene Pandemie

Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus löste eine weltweite Pandemie aus, die auch Südtirol betraf.

Laut den Daten des Gesundheitsministeriums vom Mai 2020 gehört Südtirol zu den italienischen Provinzen mit der höchsten Zahl an Infektionen: etwa 2600 identifizierte Fälle und fast 300 Todesfälle. Die Daten des Südtiroler Zivilschutzes zeigen jedoch eine offensichtliche Heterogenität der COVID-19-Krankheit auf dem Gebiet der Provinz, mit Gebieten mit hoher Infektionshäufigkeit und Gebieten mit wenigen COVID-Infektionen.

Warum hat sich die Krankheit so ungleich ausgebreitet?

Was sind die Bedingungen, die sowohl Infektionen als auch den Schweregrad der Erkrankung beeinflussen können?

Hält die COVID-19-Immunität über einen längeren Zeitraum an oder ist der Patient anfällig für neue Infektionen?

Was sind die Folgen von COVID-19 für unsere Gesundheit?


Die Studie CHRIS Covid-19

Um diese Fragen zu beantworten, haben das Institut für Biomedizin von Eurac Research und der Südtiroler Sanitätsbetrieb die Studie CHRIS Covid-19 ins Leben gerufen. Das unmittelbare Ziel ist es, die Prävalenz (Verbreitung) der neuartigen Coronavirus-Krankheit in der Bevölkerung abzuschätzen. Einerseits sind die Ergebnisse dieser Studie für den einzelnen Teilnehmer wichtig, um zu verstehen, ob er mit dem neuartigen Coronavirus infiziert ist oder war.Andererseits ist es für die Allgemeinheit wichtig, eine Einschätzung zu haben, wie hoch der Anteil an infizierten Personen ist oder war. Somit wird auch die Zuverlässigkeit der serologischen Tests erforscht.

Das mittelfristige Ziel der CHRIS Covid-19-Studie ist die epidemiologische, molekulare und genetische Charakterisierung der Infektionsanfälligkeit und des Schweregrades der neuartigen Coronavirus-Erkrankung, die Prävalenz von COVID-19 abzuschätzen, umweltbedingte und genetische Risikofaktoren zu identifizieren, die innerfamiliäre Übertragung zu charakterisieren und aus immunologischer und klinischer Sicht die Entwicklung nach einer Erkrankung zu verfolgen. 

Insbesondere sollen die Auswirkungen der familiären Übertragung und das Risiko im Zusammenhang mit früheren Krankheiten untersucht werden.

Die langfristigen Ziele der CHRIS-Covid Studie sind
(1) zu überprüfen, ob die Immunisierung von Dauer ist (positive Personen werden aufgefordert, den Test alle drei Monate zu wiederholen) und
(2) zu untersuchen, welche Auswirkungen COVID-19 auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat.

Die CHRIS Covid-19-Studie ist Teil des umfassenderen Studienprogramms des Landes zu COVID-19, eine gemeinsame Initiative des Südtiroler Sanitätsbetriebs, des Statistischen Landesinstituts (ASTAT) und der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe (Claudiana) und Eurac Research. Die Zusammenarbeit betrifft drei Studien, die gemeinsam koordiniert, aber mit unterschiedlichen Zielsetzungen durchgeführt werden:
Die erste Studie wurde in Gröden durchgeführt,
die zweite Studie betrifft eine Stichprobe von Personen aus ganz Südtirol,
während CHRIS Covid-19 speziell auf den mittleren und oberen Vinschgau ausgerichtet ist.


CHRIS Covid-19 wurde gerade deshalb so konzipiert, weil es auf die Kohortenstudie CHRIS aufbauen kann, die vom Institut für Biomedizin von Eurac Research in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb initiiert wurde. Die CHRIS-Kohortenstudie hat bereits Gesundheitsinformationen von 13.393 erwachsenen Teilnehmern, d.h. etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung, gesammelt. Die Teilnehmer wurden aus klinischer, biochemischer, genetischer und molekularer Sicht eingehend charakterisiert. Darüber hinaus werden Blut-, Urin- und DNA-Proben zur weiteren Untersuchung in der Biobank gelagert. Auf Grundlage dieser Informationen werden die Forscher die Dynamik der neuartigen Coronavirus-Infektion erforschen.

Die Studie, die von ASTAT und der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe (Claudiana) durchgeführt wird, wird im gleichen Zeitraum stattfinden und die gleichen Einrichtungen für die Sammlung von Proben nutzen.


Die Studie sieht verschiedene Modalitäten und Phasen der Beteiligung vor:

Die CHRIS Covid-19-Studie umfasst 3 Phasen

  1. Prävalenzstudie: 1812 zufällig ausgewählte CHRIS-Studienteilnehmer werden eingeladen, unabhängig vom Vorliegen von Krankheitssymptomen, einen Nasen-Rachen-Abstrich und einen serologischen Test durchzuführen, der vom Südtiroler Sanitätsbetrieb analysiert wird.
    Auf Smartphones, Tablets oder Computern werden die Teilnehmer auch gebeten, einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand zu beantworten. Diese Phase findet zwischen Juli und August 2020 statt und ermöglicht es, die Prävalenz von COVID-19 abzuschätzen, d.h. die Ausbreitung des Virus im mittleren und oberen Vinschgau, einschließlich asymptomatischer Personen, zu verstehen.
  2. allgemeines Symptomscreening, das ein Jahr lang alle vier Wochen wiederholt wird: ein Screening-Fragebogen zu Krankheitssymptomen wird an alle 13.393 CHRIS-Studienteilnehmer und die Personen, mit denen sie zusammenleben, versandt, also an bis zu 19.000 Personen. Die Teilnahme besteht in der Beantwortung eines Fragebogens über Gesundheit, das Vorhandensein von Symptomen, die auf eine COVID-19 Erkrankung hinweisen, frühere Therapien oder Krankheiten und den Lebensstil. Die Fragebögen, die elektronisch versendet werden, werden von Erwachsenen für sich selbst und auch für Minderjährige ausgefüllt, indem sie mit persönlichem Benutzernamen und Token auf die Website der CHRIS Covid-19-Studie zugreifen.
    Die Fragebögen werden alle vier Wochen versendet. Ziel ist es, das Auftreten von Symptomen im Laufe der Zeit zu verifizieren: Personen mit Symptomen werden eingeladen, sich einem serologischen Test und einem Nasen-Rachen-Abstrich zusammen mit den Personen, mit denen sie zusammenleben, zu unterziehen. Diese Phase der Studie dient dazu, die Häufigkeit der Krankheit abzuschätzen, oder auch die Rate, mit der sie auftritt und andauert über den Zeitraum eines Jahres.

Sowohl bei der Prävalenzstudie als auch beim allgemeinen Screening müssen diejenigen, die positiv auf den Abstrich getestet werden (Infektion im Gange), das gesetzliche Protokoll für eine mögliche Isolation gemäß den Bestimmungen des Südtiroler Sanitätsbetriebs befolgen.

  1. Nachverfolgung positiver Befunde: Diejenigen, die im Rahmen der Prävalenzstudie oder des allgemeinen Screenings im serologischen Test, positiv auf COVID-19 getestet wurden (frühere Infektion und nicht mehr im Gange), werden gebeten, den serologischen Test ein Jahr lang alle drei Monate zu wiederholen, um zu überwachen, ob die Immunreaktion auf das Virus sich mit der Zeit verändert: Dies ist wichtig, um zu verstehen, ob man, einmal infiziert, immun bleibt oder wieder anfällig für eine Infektion werden kann.

Für weitere Einzelheiten zur Teilnahme an den drei Phasen konsultieren Sie bitte die FAQ-Seite



Bedeutung der Studie

Um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu stoppen, haben viele Länder äußerst restriktive Maßnahmen ergriffen wie den vor Kurzem erlebten Lockdown, welcher als Maßnahme sowohl aus sozialer als auch aus wirtschaftlicher Betrachtung, langfristig nur schwer aufrechtzuerhalten ist.

Bis zur Entwicklung eines Impfstoffs oder einer Therapie, liefert eine Kohortenstudie wie CHRIS Covid-19 wissenschaftliche Daten und ein realistisches Bild vom Verhalten des Virus, von den Bedingungen, die Menschen anfälliger machen, von der innerfamiliären Übertragung der Infektion, von der Messung der Neuinfektionsrate, von der Dauer der Immunantwort und von den langfristigen Auswirkungen der Krankheit.

Die CHRIS Covid-19-Studie ist daher ein Schlüsselinstrument, um den öffentlichen Entscheidungsträgern verifizierte Informationen zur Verfügung zu stellen, die als Leitfaden für diagnostische und therapeutische Wege und ganz allgemein Entscheidungen im öffentlichen Gesundheitswesen und im Sozialmanagement, dienen können.


Wer finanziert die Studie?  

Die Kosten für die CHRIS Covid-19-Studie werden von der Autonomen Provinz Bozen (Abteilung für Innovation, Forschung und Universität und Abteilung für Gesundheit), dem Südtiroler Sanitätsbetrieb und Eurac Research getragen.

Die CHRIS Covid-19-Studie erfolgt in Übereinstimmung mit der europäischen Gesetzgebung (EU GDPR 2016) und dem italienischen Gesetz bezüglich des Schutzes personenbezogener Daten, der Konvention der Menschenrechte und Biomedizin und der italienischen Forschungsgesetzgebung.

Die Studie CHRIS Covid-19 wurde der Ethikkommission des Südtiroler Sanitätsbetriebs zur Bewertung vorgelegt und mit Resolution Nr. 53/2020 genehmigt.

Die zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelten Daten und Proben werden ausschließlich für Forschungszwecke im Bereich COVID-19 und verwandter Krankheiten verwendet.