Mit über 13.000 Vinschgauer Teilnehmern geht erste Phase zu Ende

Im Bild v.l.: Rudi Balling (Universität Luxemburg), Helmut Weiss (CHRIS Studienarzt), Cristian Pattaro (CHRIS Studienleiter), Roland Psenner (Präsident, Eurac Research), Christian Fuchsberger (Bioinformatiker, Eurac Research), Renate Zimmer (Uni Osnabrück), Herbert Tilg (MedUni Innsbruck), Peter P. Pramstaller (Leiter des Instituts für Biomedizin, Eurac Research).

Dank der herausragenden Teilnahme der Bevölkerung ist die Studie von Eurac Research und dem Südtiroler Sanitätsbetrieb ein großer Erfolg. Mit der Biobank wurde eine langfristige Forschungsressource für Südtirol aufgebaut, jetzt startet die nächste Studienphase.

10.000 Studienteilnehmer sollten es werden, damit aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse möglich sind – dieses Ziel hat die CHRIS-Studie mit über 13.000 Teilnehmern sogar übertroffen. Dank ihnen konnten die Forscher von Eurac Research die Biobank aufbauen, eine einzigartige Forschungsressource für Südtirol. Sie besteht aus 800.000 Proben mit tiefgekühltem biologischem Material: Urin, Blut und DNA. Damit verbunden ist eine Datenbank mit Informationen zum Gesundheitszustand der Studienteilnehmer. In Kürze beginnt die nächste Phase der Langzeitstudie, mit der die Wissenschaftler von Eurac Research erforschen wollen, wie sich der Gesundheitszustand der Menschen über die Zeit hinweg verändert und welchen Einfluss Risikofaktoren tatsächlich haben.

Die CHRIS-Studie ist bereits ein aktiver Teil der Südtiroler und internationalen wissenschaftlichen Forschung. International hat die CHRIS-Studie zur Identifizierung von mehr als hundert genetischen Varianten im Zusammenhang mit der Schilddrüsenfunktion beigetragen. Die Ergebnisse können helfen, neue therapeutische Behandlungen für Schilddrüsenfehlfunktionen zu entwickeln. Ebenso trägt die CHRIS-Studie zu genetischen und epidemiologischen Studien in vielen Bereichen wie Herzfunktion, chronische Nierenerkrankung, Fettleibigkeit, Schlafstörungen, Fettstoffwechsel, Immunsystem und metabolisches Syndrom bei. Die Ergebnisse dieser Studien werden ab 2019 in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.
Dank der Daten und Proben der Studienteilnehmer konnten die Forscher des Instituts für Biomedizin ein Softwareinstrument entwickeln, das anzeigt, welche Familien für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind. Es arbeitet mit Stammbäumen und genetischen Risikofaktoren. Mithilfe dieses Instruments konnten die Wissenschaftler für verschiedene Krankheiten Familiengruppen mit einer erhöhten Zahl von Krankheitsfällen identifizieren, zum Beispiel Fälle von Familiärer Hypercholesterinämie, also genetisch bedingte erhöhte Cholesterinwerte.
Die CHRIS-Studie profitiert von einigen Besonderheiten, die sich auf wissenschaftliche Entdeckungen auswirken können. Zunächst einmal erlaubt die Rekonstruktion von ausgedehnten Stammbäumen die Vererbung von genetischen Variationen zu verfolgen. Darüber hinaus könnten die insgesamt einheitliche Lebensweise der Teilnehmer und die ähnlichen Umwelteinflüsse es ermöglichen, genetische Signale klarer zu identifizieren. „Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen, die vor allem in den kommenden Jahrzehnten folgen werden, hat die CHRIS-Studie schon jetzt viel Gutes bewirkt: So haben wir einzelne Teilnehmer im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen auf Risikowerte aufmerksam gemacht, von denen sie selbst noch nichts wussten. Sie konnten dann direkt mit ihren Hausärzten die Befunde besprechen und Erkrankungen rechtzeitig entgegenwirken“, erklärt Peter Pramstaller, Leiter des Instituts für Biomedizin von Eurac Research. Doch nicht nur einzelne Teilnehmer haben profitiert, im Rahmen der CHRIS-Studie wurde auch die Initiative „Tu’s einfach!“ gegründet. Beteiligt sind verschiedene Vinschgauer Verbände, die Menschen aller Altersgruppen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren wollen und dafür regelmäßige Programme organisieren.
„Besonders wichtig ist uns, den mehr als 13.000 Teilnehmern für ihren herausragenden Beitrag zu danken. Denn ohne sie gäbe es die Studie heute gar nicht“, unterstreichen Pramstaller und Cristian Pattaro, der wissenschaftliche Leiter der CHRIS-Studie. Beide hoffen auf die Bereitschaft der Teilnehmer, sich weiterhin zu beteiligen. Denn im Frühjahr 2019 startet die nächste Untersuchungsrunde der Langzeitstudie. „In der zweiten Phase werden wir mehr instrumentelle Messungen durchführen, die objektivere und genauere Informationen über den Gesundheitszustand der Teilnehmer liefern. Beispielsweise werden wir Untersuchungen der Netzhaut mit speziellen Instrumenten durchführen, um Veränderungen im Kreislaufsystem zu erkennen.“, berichtet Pattaro. „Darüber hinaus wird das Wiederholen von Messungen über die Zeit es ermöglichen Faktoren zu identifizieren, die mit dem Auftreten und Fortschreiten verbreiteter Krankheiten zusammenhängen.“, schließt Pattaro.
Einen Rückblick auf die bisherigen Ergebnisse der Studie sowie einen Ausblick auf die nächste Phase gab das CHRIS-Team von Eurac Research im Rahmen einer Tagung mit den Teilnehmern am Samstag, 10. November in Prad am Stilfserjoch. Siehe auch CHRIS Erste-Studienphase 2011-2018 (PDF)

Für weitere Informationen: vera.amon@eurac.edu